Literarischer Salon
Donnerstag, 21. Mai 2026 19.30 Uhr
Florentine Anders, Die Allee
Da ist der von den Ideen des Bauhauses durchdrungene Idealist Henselmann. Der Berliner Fernsehturm, die Stalinallee, der Leipziger Uniturm, die Kongresshalle am Alexanderplatz, der Zeiss-Turm in Jena und andere Bauwerke sind mit seinem Namen verbunden. Der Preis: Ständig muss er tricksen und lavieren und manchmal auch zu Kreuze kriechen, um wenigstens die Grundlagen seiner modernistischen Ideen vor den stieseligen Vorstellungen der Politführung der DDR zu retten. Der einzige Bau, den er so umsetzen konnte wie er wollte, war – noch vor dem Ersten Weltkrieg – sein erster: die wegweisende Villa Kenwin am Genfer See. Da war er Fünfundzwanzig und niemand kannte ihn. Seitdem wurde er zwar berühmt, aber ob als Direktor der Bauhaus-Akademie oder als Architekt: immer bekommt er neue Knüppel zwischen die Beine geworfen, immer muss er kämpfen. Und da ist Henselmanns Frau Isi, hochbegabt und schon seitdem sie sechzehn ist mit Henselmann liiert, die eigentlich auch als Architektin arbeiten will, aber mit einer auf acht Kinder anwachsenden Familie zu kämpfen hat und auch ständig die Scherben aufkehren muss, die ihr zunehmend frustrierter Mann hinterlässt. Nach vielen Kämpfen, Rückschlägen und Demütigungen emanzipiert sie sich aber dennoch. Und da ist die Tochter Isa, die sich lange vergeblich von der erstickenden Manipulation durch den cholerischen Vater befreien will. Zudem wird sie ständig von der Stasi bedrängt und gepeinigt. Doch irgendwann bricht sie aus und findet in die Jazzerszene der DDR, die viel freier und wilder lebt, als viele sich vorstellen können. Und da sind auch noch die anderen Kinder, die Westverwandtschaft und die ebenfalls eng verwandten Havemanns, durch die schockweise abenteuerliche und tragische Ereignisse in die Handlung einfließen – Ausbrüche aus der engen Welt der staatlichen Bevormundung, Totalkonfrontation mit dem System, Westkontakte, Spionagegeschichten. Mithilfe einer beeindruckenden erzählerischen Schnitttechnik erzählt Floriane Anders eine Vielzahl von Geschichten und Schicksalen und lässt auf engstem Raum verschiedenste Milieus und ein ganzes Jahrhundert vor dem geistigen Auge erstehen. Die Allee zeigt eindrucksvoll, wie individuelle Schicksale untrennbar mit der Geschichte verwoben sind und wie die Figuren trotz aller Widerstände ihren eigenen Weg finden..Eintritt 15 €, Schüler und Studenten 10 €
Kartenvorbestellungen Ursula Zimmermann 030 / 868 701 668 kartenvorbestellung@centre-bagatelle.de
Kunstverein Centre Bagatelle e.V. im Kulturhaus Centre Bagatelle
Zeltinger Str. 6, 13465 Berlin-Frohnau.Verkehrsverbindungen S1 Frohnau, Bus 125 und 220 Frohnau
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