TERMIN - HIGHLIGHTS

 

Öffnung der Ausstellung

Di + Fr  16.30 -18.00 Uhr

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19.30 Uhr

 

Frohnauer Diskurs

 

Eike Pahl-Weber

 

Zukunft der Stadt

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19.30 Uhr

 

Vernissage

 

Diana Sprenger

 

Das Gelbe vom Ei

 

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19.30 Uhr

 

Künstlergespräch

 

mit Diana Sprenger

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19.30 Uhr

 

Literarischer Salon

 

Susann Muhlack

 

Paula Modersohn-Becker

 

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3. Literarischer Salon am  27. November 2011 

 

Annett Gröschner  „Walpurgistag“

Moderation: Petra Lölsberg

 

„Walpurgistag“ ist eine Hommage an Berlin. Wie Alfred Döblin in „Berlin Alexanderplatz“ läßt Gröschner die Verlierertypen, die gesellschaftlichen Randexistenzen durch ein Berlin irren, aus dem selbst die Ratten schon flüchten: „Ihre Schlupflöcher – Trümmergrundstücke und verlassene Häuser – sind abgeräumt und renoviert. Sie haben keine Heimat mehr.“ Eine fantastische Welt, surreal. Doch der Roman basiert auf real existierenden Briefen.

 

Am 30. April 2002 rief die Schriftstellerin in einem Berliner Radiosender die Zuhörer dazu auf, ihr mitzuteilen, was und wie sie die Stadt genau an diesem Tag erlebt hatten. Rund einhundert Briefe trafen danach bei ihr ein, in denen die Berliner davon berichteten, wie die Wolkenformationen am Abendhimmel ausgesehen hatten, wo ein Fahrrad gestohlen und welches Haus von den Immobilienhaien übernommen worden war. So erhielt die Autorin wertvolle Informationen über genau diesen Tag im Jahr 2002, den Walpurgistag, in dessen Nacht zum 1. Mai es in Berlin zu Krawallen linker Autonomer kam – wie jedes Jahr in der Walpurgisnacht.

 

Diese realen Details dienen Annett Gröschners zweitem Roman als Fundament. In 78 Episoden und 15 Protagonisten splittert sie die Fiktion, die das andere Berlin zeigt. Nicht die Medien- und Glitzerstadt, sondern die Heimat der Stadtstreicher, Alleinerziehenden, Taxifahrer und deren 24 Stunden des 30. Aprils 2002.

 

Die Autorin

Annett Gröschner wurde 1964 in Magdeburg in eine Familie von passionierten Frostforschern hineingeboren. Sie zählt zur Generation von Schriftstellern, die in der DDR wesentliche Prägungen erfahren hatten und unmittelbar nach ihrem politischen Ende ihre ersten literarischen Schritte unternahmen. Annett Gröschner ist teilnehmende Beobachterin unserer Zeit. Immer stehen die vermeintlich „einfachen Leute“ im Zentrum ihres Erzählens, die die gesellschaftlichen Veränderungen  seit 1989 bewältigen müssen. Annett Gröschner berichtet über erste Besuche beim Arbeitsamt nach der Wende; sie dokumentiert die Geschichte des Wasserturmgeländes im Prenzlauer Berg und der Berliner Veteranenstraße ebenso wie die Geschichte der jahrzehntelang unzugänglichen Garnisonsstadt Wünsdorf. Vom Oberdeck eines Doppelstockbusses hat sie den Berliner Straßenverkehr beobachtet, und in einer Berliner Senioreneinrichtung ließ sie sich von den Bewohnern erzählen, wie sie die Kriegsjahre erlebt hatten. Bemerkenswert ist der Blick auf scheinbar nebensächliche, weil alltägliche Details, die exemplarische Geltung gewinnen und damit unserer Gegenwart Tiefenschärfe verleihen. Immer sind die Texte in einer unprätentiösen, präzisen Sprache verfasst, die den Ton und damit den Sound der Zeit wiedergibt. Ihr erzählerisch-schwelgender und dabei sehr verdichteter Ton wird immer wieder von anderen Textformen und Formaten unterbrochen. Einer der Handlungsstränge wird rein dialogisch erzählt, Straßensprache und regionale Dialekte erklingen, Wissenschaftstexte werden zitiert, Zeitungsartikel und Statistiken fließen ein etc. Diese sprachliche Vielfalt macht den Charme dieses kompositorisch äußerst beeindruckenden Romans aus.

 

 

 

 

2. Literarischer Salon am  24. Juni 2011 

 

 

Marica Bodrozic  Das Gedächtnis der Libellen

Moderation: Petra Lölsberg

 

„Das Gedächtnis der Libellen“ ist ein präziser und feinfühliger Roman über eine unmögliche Liebe und die aus ihr resultierende Selbstwerdung einer jungen Frau. Die Protagonistin, die sich selbst den Namen Nadeshda gibt, fährt nach Amsterdam, um dort ihren Geliebten Ilja zu treffen. Doch diese Begegnung bringt sie unerwarterweise gleich am Anfang völlig aus dem Gleichgewicht, stößt sie vehement an ihre Grenzen und verändert ihre ganze Wahrnehmung von ihrer Liebe und sich selbst. Was folgt, ist der Monolog einer seismographisch wahrnehmenden Person, für die Familie, Freundschaft und Liebe, Nähe und Berührung eine immense Bedeutung bekommen. Wichtiger als das Begehren und die Liebe zu Ilja werden für die ehemalige Physikerin Nadeshda die Spaziergänge und Treffen mit ihrer Freundin Arjeta, mit der sie lernt, das Vergängliche zu achten und den großen Verlust als Teil ihrer Selbst zu verbuchen.

 

Die Autorin

Marica Bodrozic zählt aktuell zu den meist beach- teten jungen Schriftstellerinnen Deutschlands. Die gebürtige Kroatin kam im Alter von neun Jahren zu ihren Eltern nach Deutschland. Die deutsche Sprache hat sie schon früh als einen "Bassin voller wundersame Töne" empfunden und in ihren Büchern beschrieben, weshalb sie von Beginn an eine musikalische Beziehung zu ihre hatte und sie sogar ihre "zweite Muttersprache" nennt.

 

Aus dieser Annäherung über das Klangliche kommt die poetische Kraft ihrer Sprache. Klaus Hübner brachte dies in der WELT treffend auf den Punkt: Es sei  „zuallererst ihre zunächst befremdende, bald aber eigentümlich glitzernde und funkelnde und schließlich begeisternde Literatursprache, die den Leser gefangen nimmt und Marica Bodrozic als Ausnahmetalent unter den ins deutsche eingewanderten Literatinnen erscheinen lässt.“