Franziska Beilfuß               ILLICO               Berlin, 03.12.2020

Dieses durch die Corona Epidemie stark gezeichnete Jahr hat für uns freischaffende Künstler starke Einschränkungen im Kontakt zu unserem Publikum mit sich gebracht. Auch meine Ausstellung ILLICO im Centre Bagatelle ist davon betroffen. Ich freue mich wenigstens einzelne Führungen an den Wochenenden anbieten zu können und möchte hier die Gelegenheit ergreifen, die Ausstellung noch einmal umschreiben zu können.

ILLICO bedeuted Jetzt! Sofort! auf Französisch und ich habe mich für dieses schöne Wort als Titel für meine Ausstellung im Centre Bagatelle 2020  entschieden, da in dieser Werkreihe eine Bewegung behandelt wird, die die konstante Erneuerung bedeutet. Inspiriert hat mich die doppelte Drehung der mathematischen Figur des Rotationstorus. Das ist in der Geometrie eine Art Donut- Form, die sich gleichzeitig um die horizontale und vertikale Achse dreht und damit Innen und Außen konstant austauscht, ja deren Bedeutung aufhebt. Das fasziniert mich, da es eine komplette Neuordung der Räumlichkeit bedeutet, quasi ein “Umstülpen“. Unsere Wahrnehmung von Raum und Bewegtheit ist sehr begrenzt und stark von Perspektive abhängig. Dessen sind wir uns nur selten bewusst.

Ich möchte mit meiner Malerei dem Raum seine natürliche Disponibilität zur Hervorbringung von Formen über die Farbe  zurückgeben. Mit der Forderung  nach dem Jetzt meine ich eine gesteigerte Fähigkeit der Wahrnehmung für die Bewegtheit, die uns ständig umgibt. Wir vereinfachen unser Denken über Fixierungen und Dualismen. Manchmal muss man selbst still stehen, um zu merken, dass sich alles bewegt.

“Vibrierendes Jetzt!“, so beschrieb Paul Nolte die Bilder meiner Ausstellung ILLICO. Widersprüche und Reibung zulassen zu können und eben auch diese Bewegung des Dazwischen, sind Bestandteile dieses Jetzt. Diese Räumlichkeit in meinen Bildern regt dazu an, im Bild zu wandern. Lässt man sich auf  die verschiedenen Farbebenen und deren Durchdringungen ein, dann kommt es zu einer Zeitverschiebung, zu einer gesteigerten Jetzt- Erfahrung. In  meiner Arbeit geht es um Prinzipen und Prozesse der Wandlung. Schon in meiner vorangehenden Werkreihe Kokon habe ich mich mit dem Drama um  Innen und Außen beschäftigt. Das waren Übermalungen, die das darunter- Liegende nur erahnen ließen. Es kommt mir so vor, als wenn unsere  Vorstellung von Welt als eine Situiertheit wie ein Kokon ist, den wir verlassen müssen. Unsere Körper, Gedanken und Welten sind nicht abgeschlossen,  sondern durchlässig im Austausch und dies konstant.

Transparenz ist für mich nicht nur ein formales Mittel, sondern auch die Faszination der Zwischenräumlichkeit. Das Werden, die Wandlung, das Fugitive, das  im Zwischenraum angesiedelt ist, das sind die malerischen Sensationen, die mich faszinieren. Außerdem bedeutet mir Transparenz natürlich auch den  Prozess der Selbstbefragung, der Reflexion, ein Prozess, den man als Demaskierung bezeichnen könnte und der, meiner Ansicht nach, nicht nur in der Malerei einen wichtigen Stellenwert einnehmen sollte.

 

Werke von Fanziska Beilfuß