Die Absage aller geplanten Ausstellungen und Kunstmessen waren ein Schock. Eine Art Angststarre machte sich zu Beginn der Corona-Krise unter den Künstlern breit. Vermutlich saßen wir alle zu Hause einbarrikadiert und starrten in den Fernseher, um nicht die aktuellsten Neuigkeiten zu verpassen. Doch die entstandene Lücke voller Zukunftsängste wollte gefüllt werden. Hobbies neben meiner künstlerischen Praxis verfolge ich ohnehin nicht, also standen die 24 Stunden täglich zur freien Verfügung, um im Atelier an neuen Arbeiten zu tüfteln.
Zusammen mit Diana Sprenger eröffnete ich im April 2020 das garantiert coronafreie Ausstellungsprojekt Airborne – kontaktlos übermittelte Botschaften, konzipiert für diese neue, sozial distanzierte Welt. Wir ließen ab 8 Uhr morgens alle 20 Minuten einen Luftballon vom Studiodach aus in den Himmel aufsteigen. An jeden Ballon war ein Papier geheftet, das einen Gedanken, eine Zeichnung, eine Fotografie oder ein Gedicht von Künstlern, Autoren und Kuratoren in die Welt trug.
Die Vielfalt der Teilnehmer eröffnete ein breites Spektrum an Interessen und Positionen. Die Mitwirkenden sanden ihre Kunstwerke und Textstücke digital aus der ganzen Welt ein. Wir erhielten Beiträge aus Brasilien, den USA, Japan sowie aus ganz Europa. In diesen Zeiten voller Beschränkungen und Ausgangssperren waren wir jetzt alle gleich weit voneinander entfernt. Doch dieses Projekt brachte uns und unsere Rezipienten wieder zusammen.
Die subtile Anspielung auf die luftgetragene Infektion des Corona-Virus ist auch ein Versuch, den Akt des Kunstbetrachtens in Quarantäne weg von rein online-basierten Lösungen großer Institutionen zu leiten.
Einige der Beiträge waren persönliche Nachrichten an den Finder, der den Ballon und seine Botschaft nach dessen Herabsinken entdeckt. Andere nutzten diese Plattform, um weit über die Dächer zu schreien und Botschaften der Nähe und Einheit zu senden.
Der Fokus meiner Arbeit liegt auf zeitlichen Abläufen, auf Raumwahrnehmung, Stillstand und die menschliche Präsenz. Ich nutze die Medien Licht, Fotografie und Video, um mich auf geschichtete Ebenen aufgespaltener Prozesse und Archivierung zirkulierender Flüchtigkeiten zu konzentrieren.
Die hier präsentierten Arbeiten zeigen verschiedene Arten von Tinte auf Papier nach dem Wasserbad. Während das Wasser vom Papier absorbiert wurde, spalteten sich die farbigen Bestandteile der Tinte auf.

Werke von Euan Willams