Die Pandemie verhindert jede Ablenkung: keine Atelierbesuche, keine Ausstellungseröffnungen, keine Museumsbesuche, keine Kunstmessen, keine ausgedehnten Einkaufstouren durch Baumärkte, keine Treffen mit Freunden oder der Familie und alle geplanten Vorhaben und Ausstellungen, die hätten vorbereitet werden müssen, sind abgesagt.

Die Routine der künstlerischen Praxis gibt mir in der Corona-Krise Halt. Um Malen zu können, begebe ich mich in einen meditativen Zustand der Entspannung und ich streife alle Ablenkungen um mich herum ab. Die Unruhe der Nachrichtensendungen erhöht mein Bedürfnis nach harmonischer Gelassenheit und Ausgeglichenheit in meinen Bildern. Die Farbpalette hellt sich auf je düsterer die Fernsehbilder werden.

Doch was ist das künstlerische Schaffen ohne jede Präsentationsmöglichkeit, ohne jeglichen Austausch mit dem Betrachter, ohne Kritik? Es musste doch trotz der Kontaktbeschränkungen eine Möglichkeit geben!

So entsteht die garantiert coronafreie Ausstellung „Airborne“: Kontaktlos übermittelte Kunstwerke, konzipiert für die neue, sozial distanzierte Welt. Zusammen mit Euan Williams suche ich 37 Arbeiten auf Papier von Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern wie unter anderem der Malerin Rebecca Partridge oder dem Biochemiker Otto E. Rossler aus.

Wir binden die Textstücke und Kunstwerke an heliumgefüllte Luftballons und lassen sie alle 20 Minuten in den Himmel aufsteigen. Im Gegensatz zum unbestimmten Versand einer intimen Flaschenpost, oft bestückt mit Sorgen, Nöten und Ängsten, kalkulieren wir das Entdecken der Botschaften fest ein – gefunden zwischen Sträuchern, auf Balkonen oder Parkplätzen, in Corona-Krisenzeiten mit Abstand mehrere Hundertmeter weit entfernt übergeben.

Werke von Diana Sprenger