Das Leben ist still geworden. Der Alltag scheint stillgelegt worden zu sein und doch verstreicht die Zeit. Die Gesellschaft liegt auf der Lauer, verharrt in Warteposition, zerrissen zwischen der Unmöglichkeit etwas zu unternehmen und dem unaufhaltsamen Voranschreiten der eigenen Lebenszeit und der eigenen Lebenspläne.

Im Atelier ist es ruhiger geworden als sonst, aber eigentlich hat sich auch nichts verändert. Wo es ruhiger geworden ist, ist in meinem Kopf. In meinem Alltag. Plötzlich scheine ich in einer Kleinstadt zu leben, das große Drumherum ist aufgebrochen und hat mich in einem kleinen Nest zurückgelassen, allein mit mir selbst.

Das Malen bildet eine Zuflucht, es hat sich nicht verändert. Beim Malen ist man immer allein mit sich selbst. Das ist, was es ausmacht, das ist seine Essenz, allein mit einem selbst, das Denken mit dem Pinsel auf die Leinwand malend. Der Rest der Welt scheint dabei unendlich weit weg zu sein.

Ganz am Anfang ist es eines der Dinge, die am schwierigsten auszuhalten sind, dieses sich alleine mit einem selbst auseinandersetzen müssen, Tag für Tag, Stunde um Stunde. Später, nach Jahren der Praxis wird es ab und zu leichter, nur um dann immer wieder plötzlich genauso schwer zu sein. Der einzige Unterschied: Man weiß jetzt, dass es so sein muss, dass es nur natürlich ist und dass es das auszuhalten gilt, damit es wieder leichter werden kann, bis es die Ruhe einer Meditation erreicht.

Nun wird es plötzlich zur Überlebensstrategie. Das allein auf sich selbst zurückgeworfen Werden ist etwas, was man bereits erlebt hat und dem man tagtäglich vom Neuen entgegenzutreten gewohnt ist. Ich stelle mir vor und sehe, dass es anderen schwerer fällt.

Ich aber male.

Werke von Anna Slobodnik